Ein natürlicher Baustoff

LEHM

ist ein Gemisch von Ton, Sand und Schluff (feiner Sand). Für die Bindekraft eines Lehmbaustoffes ist der Ton verantwortlich.

 

BAULEHM

Je nach Fundort variiert die Zusammensetzung des Lehms stark. Baulehme mit hohem Tongehalt sind fett oder bindig, solche mit geringem Tongehalt sind mager bzw. weniger bindig. Je fetter ein Lehm, umso aufwendiger ist seine Verarbeitung.

 

AUFBEREITUNG

Liegt der Lehm nicht in Pulver- oder Krümelform vor, wird er in Wasser eingesumpft. Zu diesem Zweck gibt man Wasser in eine Wanne oder in ein Fass, füllt den Lehm ein bis er gerade noch mit Wasser überdeckt ist und lässt ihn über Nacht stehen. Nun wird er von Hand oder mit einem Rührquirl solange umgerührt bis eine dickflüssige bis pastöse Lehmschlämme entsteht. Diese ist Ausgangsmaterial für viele Lehmbauarbeiten.

 

ZUSCHLAGSTOFFE

In den allermeisten Fällen ist der Lehm zu fett um direkt zum Bauen verwendet zu werden. Er wird deshalb gemagert. Dies geschieht durch Beimischen von Pflanzenfasern (Stroh, Hanf, Seegras, Nadeln, Korkschrot, etc.), Holzhäcksel, Sand, Kies, Blähton, Bims oder auch Tierhaaren. Je nach Verwendungszweck wird der eine oder der andere, oft aber auch eine Kombination von Zuschlagstoffen bevorzugt. Durch diese Auswahl werden die gewünschten Eigenschaften für einen bestimmten Lehmbaustoff erreicht:

  • ZUGFESTIGKEIT
  • WÄRMESPEICHERUNG
  • ISOLATION
  • DRUCKFESTIGKEIT
  • ABRIEBFESTIGKEIT

Ein wichtiges Ziel des magerns ist immer die Kontrolle des Trockenschwundes, das heisst, der Rissbildung durch das Zusammenziehen des trocknenden Bauteils.

 

PRÜFVERFAHREN für den Lehmbau

Einige baustellentaugliche Verfahren für den Praktiker!

 

ABRIEBTEST

Guter Baulehm ist ausreichend gemagert, wenn sich von den Kugelteilen einer Kugelprobe mit dem Daumen unter Druck Körner abreiben lassen. Ist ein Abreiben des Materials nicht möglich, muss der Lehm stark gemagert werden.

 

BINDIGKEITSPRÜFUNG mit der KUGELPROBE

Sie ist zusammen mit dem Abriebtest eine zusätzliche Möglichkeit Gefühl für den Baustoff Lehm zu entwickeln. Kugeln von 5 cm Durchmesser aus gut durchgearbeitetem, erdfeuchtem Lehm ca. acht Tage trocknen lassen oder einen Tag vertrocknen und einige Stunden im Backofen bei 60 Grad C trocknen. Trockene Kugeln aus ca. 1 m Höhe auf Steinboden fallen lassen. Zerfällt die Kugel in krümelige, sandige Bestandteile, so ist der Lehm zu mager oder zu kalkhaltig. Kugeln aus gutem Baulehm zerspringen in mehrere Teile. Kugeln aus sehr bindigen Materialien (=sehr fette Lehme) zerspringen nicht. Anhaltspunkte, inwieweit sie gemagert werden müssen, gibt der Abriebtest.

 

POSITIVE WIRKUNG auf das RAUMKLIMA

Der Baustoff Lehm wirkt sich durch seine sehr gute Fähigkeit zur Aufnahme und Abgabe von Luftfeuchtigkeit sehr positiv auf das Raumklima aus. Die folgenden Abbildungen zeigen im Vergleich unterschiedlicher Schichtstärken, Baustoffe oder Oberflächenaufbauten die Auswirkungen auf das Sorptionsverhalten.

Wasserdampfsorption bei unterschiedlicher Stärke
Wasserdampfsorption unterschiedlicher Baustoffproben
Wasserdampfsorption von Oberflächenaufbauten